Discussion:
Spenden als Betriebsausgaben
(zu alt für eine Antwort)
Thomas M. Thoß
2007-08-03 21:22:37 UTC
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Hallo NG!

Ich bin Gewerbetreibender im IT-Bereich und plane, einem
gemeinnützigen Verein einen Computer zu spenden. Es handelt sich um
ein Gebrauchtgerät, dass ich von einem Second-Hand-Händler beziehen
werde. Dafür erhalte ich von diesem natürlich eine Rechnung mit
ausgewiesener MwSt. Wie verbuche ich das nun richtig?

Möglichkeit 1: Ich erhalte vom Verein eine Spendenquittung über den
Nettobetrag des Computers, hefte dies zur Quittung des
Computerhändlers und verbuche das als eine Betriebsausgabe. Die
Umsatzsteuer bekomme ich durch die Vorsteuer wieder herein.

Möglichkeit 2: Ich erhalte vom Verein eine Spendenquittung über den
Bruttobetrag des Computers, lege mir diese in die Ablage und mache das
im kommenden Jahr bei meiner Einkommenssteuer als Sonderausgabe
geltend.

Bei Variante 2 bin ich mir ziemlich sicher, dass das legitim ist,
zumal der Computer ja dann aus dem Privatvermögen gezahlt worden wäre.
Günstiger wäre wohl aber Möglichkeit 1, wobei ich mir aber v. a.
hinsichtlich des Vorabzuges ganz und gar nicht sicher bin, ob das
überhaupt rechtlich zulässig wäre.

Für Eure Ratschläge schon im Voraus vielen Dank und einen guten Start
ins Wochenende!

Thomas
Matthias Hanft
2007-08-04 07:43:17 UTC
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Post by Thomas M. Thoß
Ich bin Gewerbetreibender im IT-Bereich und plane, einem
gemeinnützigen Verein einen Computer zu spenden. Es handelt sich um
ein Gebrauchtgerät, dass ich von einem Second-Hand-Händler beziehen
werde. Dafür erhalte ich von diesem natürlich eine Rechnung mit
ausgewiesener MwSt. Wie verbuche ich das nun richtig?
[...]

Bei beiden Varianten hast Du vergessen, den Computer dem gemein-
nützigen Verein weiterzuverkaufen!

Sagen wir mal, Du kaufst den für 100+19=119 EUR bei Deinem Second-
Hand-Händler ein. Dann hast Du die Rechnung von dem und ziehst
daraus die 19 EUR Vorsteuer - wie bei jedem normalen Wareneinkauf
auch.

So, und nun verkaufst Du den Computer dem Verein für ebensolche
100+19=119 EUR (und stellst ihm auch eine Rechnung über ebendiesen
Betrag!). Du führst 19 EUR USt ab - wie bei jedem anderen Verkauf
auch.

Bisher also alles wie bei jedem Kistenschieber.

Aber nun stellt Dir der Verein eine Spendenquittung über 119 EUR
aus.

So, und statt daß nun der Verein Dir 119 EUR für den Computer
überweist, und Du dem Verein 119 EUR Spende, behält einfach
jeder sein Geld - kommt aufs gleiche raus :-)

(Buchung in der Buchhaltung dann einfach statt "Bank" ein
Verrechnungskonto verwenden - ist danach ja wieder auf Null.)

Einfach, nicht? :-)

Gruß Matthias.
Martin Gerdes
2007-08-04 10:00:03 UTC
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Post by Matthias Hanft
Post by Thomas M. Thoß
Ich bin Gewerbetreibender im IT-Bereich und plane, einem
gemeinnützigen Verein einen Computer zu spenden. ... Wie
verbuche ich das nun richtig?
Bei beiden Varianten hast Du vergessen, den Computer dem gemein-
nützigen Verein weiterzuverkaufen!
Das ist der Knackpunkt.
Post by Matthias Hanft
Du kaufst den [Rechner] für 100+19=119 EUR ein. [Aus der Rechnung]
ziehst [Du] 19 EUR Vorsteuer - wie bei jedem normalen Wareneinkauf.
Nun verkaufst Du den Computer dem Verein für ebensolche
100+19=119 EUR (und stellst ihm auch eine Rechnung über ebendiesen
Betrag!). Du führst 19 EUR USt ab - wie bei jedem anderen Verkauf
auch.
Aber nun stellt Dir der Verein eine Spendenquittung über 119 EUR
aus.
Statt daß nun der Verein Dir 119 EUR für den Computer
überweist und Du dem Verein 119 EUR Spende, behält einfach
jeder sein Geld - kommt aufs gleiche raus :-)
Einfach, nicht? :-)
So herum gesehen ja. Es ist aber nicht das erste Mal, daß einer denkt, er
könne den Einkauf als Betriebsausgabe absetzen und dazu auch die Spende,
somit den Rechner letztlich doppelt absetzen. Das ist -- wie von Dir richtig
dargestellt -- aber ein Denkfehler, weil dabei der entgeltliche Verkauf des
Rechners vergessen wird.
--
Martin Gerdes
Matthias Hanft
2007-08-04 16:23:29 UTC
Permalink
Post by Martin Gerdes
So herum gesehen ja. Es ist aber nicht das erste Mal, daß einer denkt, er
könne den Einkauf als Betriebsausgabe absetzen und dazu auch die Spende,
somit den Rechner letztlich doppelt absetzen. Das ist -- wie von Dir richtig
dargestellt -- aber ein Denkfehler, weil dabei der entgeltliche Verkauf des
Rechners vergessen wird.
Wobei das bei Kistenschiebern ja wenigstens noch USt-neutral ist.
Bei Dienstleistern wird dieser Fehler noch häufiger gemacht: "Ich
richte Euch das Netzwerk ein und kriege dafür eine Spendenquittung."

Nachdem's da keinen Wareneinkauf gibt, muß der Dienstleister dann
echtes Geld (die USt seiner Ausgangsrechnung, an die zu schreiben
er nicht dachte) ans Finanzamt überweisen... das kapiert oft keiner :-)

Gruß Matthias.
Thomas M. Thoß
2007-08-05 11:15:59 UTC
Permalink
Post by Matthias Hanft
Post by Martin Gerdes
So herum gesehen ja. Es ist aber nicht das erste Mal, daß einer denkt, er
könne den Einkauf als Betriebsausgabe absetzen und dazu auch die Spende,
somit den Rechner letztlich doppelt absetzen. Das ist -- wie von Dir richtig
dargestellt -- aber ein Denkfehler, weil dabei der entgeltliche Verkauf des
Rechners vergessen wird.
Wobei das bei Kistenschiebern ja wenigstens noch USt-neutral ist.
Bei Dienstleistern wird dieser Fehler noch häufiger gemacht: "Ich
richte Euch das Netzwerk ein und kriege dafür eine Spendenquittung."
Nachdem's da keinen Wareneinkauf gibt, muß der Dienstleister dann
echtes Geld (die USt seiner Ausgangsrechnung, an die zu schreiben
er nicht dachte) ans Finanzamt überweisen... das kapiert oft keiner :-)
Gruß Matthias.
Vielen Dank für Eure Unterstützung, soweit habe ich das jetzt
verstanden... Ist meine erste Spende, von daher habe ich da noch etwas
Nachhilfebedarf.

Viele Grüße
Thomas
Armin Wolf
2007-08-05 16:48:27 UTC
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"Matthias Hanft"
Post by Matthias Hanft
Sagen wir mal, Du kaufst den für 100+19=119 EUR bei Deinem Second-
Hand-Händler ein. Dann hast Du die Rechnung von dem und ziehst
daraus die 19 EUR Vorsteuer - wie bei jedem normalen Wareneinkauf
auch.
100 % OK, jetzt hat Dei Warenlager den Wert 100,00
Post by Matthias Hanft
So, und nun verkaufst Du den Computer dem Verein für ebensolche
100+19=119 EUR (und stellst ihm auch eine Rechnung über ebendiesen
Betrag!). Du führst 19 EUR USt ab - wie bei jedem anderen Verkauf
auch.
Umsatzerlös, und Warenlager ist aud Null, da Compter ausgeliefert.

Problem: Debitorposten 119,00
Post by Matthias Hanft
Bisher also alles wie bei jedem Kistenschieber.
Nee, Dir fehlt der Geldeingang...
Post by Matthias Hanft
Aber nun stellt Dir der Verein eine Spendenquittung über 119 EUR
aus.
100 % OK, aber Du (= Privatperson) machst jetzt eine Privateinlage
in der Firma, um die offene Forderung auszugleichen.

Damit hat nicht die Firma einen Computer gespendet, sondern Du als
Privatmann hast einen Geldbetrag gespendet.
Post by Matthias Hanft
(Buchung in der Buchhaltung dann einfach statt "Bank" ein
Verrechnungskonto verwenden - ist danach ja wieder auf Null.)
Einfach, nicht? :-)
Nein, sondern am Ziel vorbei geschossen
Matthias Hanft
2007-08-05 17:49:24 UTC
Permalink
Post by Armin Wolf
Problem: Debitorposten 119,00
denn
Post by Armin Wolf
Post by Armin Wolf
Nee, Dir fehlt der Geldeingang...
Aber nun stellt Dir der Verein eine Spendenquittung über 119 EUR
aus.
100 % OK, aber Du (= Privatperson) machst jetzt eine Privateinlage
in der Firma, um die offene Forderung auszugleichen.
Damit hat nicht die Firma einen Computer gespendet, sondern Du als
Privatmann hast einen Geldbetrag gespendet.
Wieso? Ich kann doch zum Debitorenausgleich 119 EUR auf "Verrechnung
an Debitor" buchen (z.B. 1792 an 10001 im SKR03) und parallel dazu
"Spende an Verrechnung" (z.B. 2383 an 1792 im SKR03).

So würde es jedenfalls eine Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH) buchen -
oder nicht? (evtl. mit Kürzung/Hinzurechnung bei KöSt/GewSt o.ä.)

Falls das beim Einzelunternehmer nicht geht (da bin ich jetzt zu
faul, das nachzuschauen) und er lieber eine Sonderausgabe draus
macht, kann er ja statt "Spende an Verrechnung" lieber "Privat-
entnahme an Verrechnung" buchen. Oder wie oben und am Ende vom
Jahr (falls das öfters vorkommt) das Spendenkonto gegen ein
Privatkonto auflösen.

Gruß Matthias.

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