Discussion:
Ehrenamtspauschale: Aufteilungsverbot?
(zu alt für eine Antwort)
Sebastian Berndt
2021-02-18 17:16:33 UTC
Permalink
Moin,

in einem Zeitungsartikel (leider ohne Quellenangabe zugeschickt
bekommen) heißt es zur Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale:

"Der jeweilige Freibetrag darf nicht auf mehrere Engagements aufgeteilt
werden."

Das hieße, wenn jemand aus der einen ehrenamtliche Tätigkeit 400 und aus
der anderen 250 bekäme, müsste er den Freibetrag für die eine Tätigkeit
verballern, die andere aber versteuern (hier: 250 Euro). Was etwas
ungerecht wäre im Vergleich zu dem, der mit einer Tätigkeit 650 Euro
einnimmt.

Bisher las ich immer: der Freibetrag werde nur einmal gewährt, d.h.
einmal i.S.v. pro /Person/ (nicht Tätigkeit). D.h. ich kann für
verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten nicht /jeweils/ 720 (bzw. neu
840) Euro steuerfrei einnehmen, sondern nur /insgesamt/ bis 720. Hieße
aber im obigen Beispiel: alle 650 Euro bleiben steuerfrei.

So liest sich für mich auch der Gesetzestext, der nicht zwischen
verschiedenen Tätigkeiten unterscheidet (außer hinsichtliche welche
Pauschale zutrifft), sondern allgemein "Einnahmen aus nebenberuflichen
Tätigkeiten als..." betrifft.

Hat hier ein Redakteur was falsch verstanden oder war meine bisherige
Überzeugung falsch?

Grüßle

Seb.
--
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Detlef Meißner
2021-02-18 17:38:43 UTC
Permalink
Post by Sebastian Berndt
Moin,
in einem Zeitungsartikel (leider ohne Quellenangabe zugeschickt
"Der jeweilige Freibetrag darf nicht auf mehrere Engagements aufgeteilt
werden."
Das hieße, wenn jemand aus der einen ehrenamtliche Tätigkeit 400 und aus
der anderen 250 bekäme, müsste er den Freibetrag für die eine Tätigkeit
verballern, die andere aber versteuern (hier: 250 Euro). Was etwas
ungerecht wäre im Vergleich zu dem, der mit einer Tätigkeit 650 Euro
einnimmt.
Bisher las ich immer: der Freibetrag werde nur einmal gewährt, d.h.
einmal i.S.v. pro /Person/ (nicht Tätigkeit). D.h. ich kann für
verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten nicht /jeweils/ 720 (bzw. neu
840) Euro steuerfrei einnehmen, sondern nur /insgesamt/ bis 720. Hieße
aber im obigen Beispiel: alle 650 Euro bleiben steuerfrei.
So liest sich für mich auch der Gesetzestext, der nicht zwischen
verschiedenen Tätigkeiten unterscheidet (außer hinsichtliche welche
Pauschale zutrifft), sondern allgemein "Einnahmen aus nebenberuflichen
Tätigkeiten als..." betrifft.
"Der Freibetrag von 720 Euro (bis Ende 2020) beziehungsweise 840 Euro
(ab 2021) ist ein Jahresbetrag. Er ist daher nicht zeitanteilig
aufzuteilen, wenn Du die begünstigte Tätigkeit nur wenige Monate
ausübst. Der Freibetrag wird allerdings auch dann nur einmal gewährt,
wenn Du mehrere begünstigte Tätigkeiten ausübst."
https://www.finanztip.de/ehrenamtspauschale/
Post by Sebastian Berndt
Hat hier ein Redakteur was falsch verstanden
Vermutlich.

Den Satz " ....wird nur einmal gewährt ..." hat er nicht begriffen.

Detlef
Frank Kozuschnik
2021-02-18 22:07:50 UTC
Permalink
Post by Sebastian Berndt
in einem Zeitungsartikel (leider ohne Quellenangabe zugeschickt
"Der jeweilige Freibetrag darf nicht auf mehrere Engagements aufgeteilt
werden."
Das hieße, wenn jemand aus der einen ehrenamtliche Tätigkeit 400 und aus
der anderen 250 bekäme, müsste er den Freibetrag für die eine Tätigkeit
verballern, die andere aber versteuern (hier: 250 Euro). Was etwas
ungerecht wäre im Vergleich zu dem, der mit einer Tätigkeit 650 Euro
einnimmt.
In der Tat. Ich sehe dafür auch keine Grundlage.
Post by Sebastian Berndt
Bisher las ich immer: der Freibetrag werde nur einmal gewährt, d.h.
einmal i.S.v. pro /Person/ (nicht Tätigkeit). D.h. ich kann für
verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten nicht /jeweils/ 720 (bzw. neu
840) Euro steuerfrei einnehmen, sondern nur /insgesamt/ bis 720. Hieße
aber im obigen Beispiel: alle 650 Euro bleiben steuerfrei.
So lese ich das auch. Im Gesetz stehen ja auch die Tätigkeit*en* im Plural.

Nur für Tätigkeiten, wo nach § 3 Nr. 26 und 26b EStG bereits Einnahmen
bis 3.000 Euro steuerfrei sind ("Übungsleiter-Pauschale"), gibt es
keinen /zusätzlichen/ Freibetrag nach Nr. 26a obendrauf.
Post by Sebastian Berndt
So liest sich für mich auch der Gesetzestext, der nicht zwischen
verschiedenen Tätigkeiten unterscheidet (außer hinsichtliche welche
Pauschale zutrifft), sondern allgemein "Einnahmen aus nebenberuflichen
Tätigkeiten als..." betrifft.
Hat hier ein Redakteur was falsch verstanden oder war meine bisherige
Überzeugung falsch?
Der Redakteur hat es falsch verstanden oder vielleicht auch nur
irreführend formuliert.
Thomas Hochstein
2021-02-20 12:06:40 UTC
Permalink
Post by Sebastian Berndt
Bisher las ich immer: der Freibetrag werde nur einmal gewährt, d.h.
einmal i.S.v. pro /Person/ (nicht Tätigkeit). D.h. ich kann für
verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten nicht /jeweils/ 720 (bzw. neu
840) Euro steuerfrei einnehmen, sondern nur /insgesamt/ bis 720. Hieße
aber im obigen Beispiel: alle 650 Euro bleiben steuerfrei.
Ja.
Post by Sebastian Berndt
Hat hier ein Redakteur was falsch verstanden oder war meine bisherige
Überzeugung falsch?
Wenn eine Presseberichterstattung Dich überrascht, ist sie fast immer
falsch. Sonst übrigens auch.

-thh
Stefan Schmitz
2021-02-20 12:51:32 UTC
Permalink
Post by Thomas Hochstein
Wenn eine Presseberichterstattung Dich überrascht, ist sie fast immer
falsch. Sonst übrigens auch.
Du meinst, die Presse berichtet fast immer falsch? Dann hätte man ja
keine Möglichkeit, sich seriös über das Weltgeschehen zu informieren.

Und überraschende Nachrichten sind auch nicht so selten korrekt. Es
kommt doch sehr auf das Thema und ggfs. die Fachkompetenz des Schreibers
an, ob dein erster Satz zutrifft.
Thomas Hochstein
2021-02-20 16:20:26 UTC
Permalink
Post by Stefan Schmitz
Du meinst, die Presse berichtet fast immer falsch? Dann hätte man ja
keine Möglichkeit, sich seriös über das Weltgeschehen zu informieren.
Ach, das Weltgeschehen passt zumeist schon - da erwartet man ja auch
selten Details oder deren Richtigkeit. Und wenn man nur wissen will,
dass es eine Ehrenamtspauschale gibt, in welcher Höhe und wofür, wer
sie geltend machen kann usw. usf., dann wird man das vermutlich in dem
(unbekannten) Beitrag aus dem hiesigen Beispiel auch erfahren. Im
großen und ganzen ist er also richtig; für eine Information über das
Weltgeschehen reicht es allemal.
Post by Stefan Schmitz
Es kommt doch sehr auf das Thema und ggfs. die Fachkompetenz des
Schreibers an, [...]
Ja, das ist das Problem.

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