Discussion:
Kleinunternehmerregelung vs. Umsatzsteuer
(zu alt für eine Antwort)
Gregory D. Shaw
2017-12-05 23:47:41 UTC
Permalink
Hi,

ich hoffe jemand kann mir etwas Licht ins Dunkel bringen.

Annahme: Ich bin derzeit Kleinunternehmer mit sagen wir zum einfachen
rechnen 10.000€ Umsatz im Jahr reine Dienstleistungen (kein Warenverkauf).

Der Kunde zahlt genau das was ich auf die Rechnung schreibe, ich hab den
typischen Kleinunternehmer-Satz unten drunter stehen und fertig.

Über meine persönliche Steuererklärung inkl. der entsprechenden Anlage
muss ich jetzt nächstes Jahr eine bestimmte Summe ans Finanzamt abführen
und die Sache ist erledigt.

Wenn ich jetzt auf die Kleinunternehmerregelung verzichten würde,
stellen sich für mich einige Fragen.

1. Zahlen Kunden (Andere Unternehmen) jetzt meine Rechnungen nur noch
Netto, oder immer noch Brutto? Privatleute, die zu meinen Kunden zählen,
würden Brutto zahlen... richtig?
2. Muss ich die 19% auf die bisherige Summe draufschlagen, oder eine
geringere Netto- und die selbe Brutto-Summe angeben wenn ich keine
Preiserhöhung erzielen möchte?
3. Worauf zahle ich am Ende des Jahres Steuern?
4. Was haben die anderen Unternehmen davon wenn ich wechsel? Was habe
ich davon? Hat das für mich am Ende des Jahres finanzielle Vor- oder
Nachteile? Oder gleicht sich nach der Steuererklärung eh alles aus?

Danke... ;-)
Wolfgang Jäth
2017-12-06 07:35:16 UTC
Permalink
Post by Gregory D. Shaw
Hi,
ich hoffe jemand kann mir etwas Licht ins Dunkel bringen.
Annahme: Ich bin derzeit Kleinunternehmer mit sagen wir zum einfachen
rechnen 10.000€ Umsatz im Jahr reine Dienstleistungen (kein Warenverkauf).
Der Kunde zahlt genau das was ich auf die Rechnung schreibe, ich hab den
typischen Kleinunternehmer-Satz unten drunter stehen und fertig.
Über meine persönliche Steuererklärung inkl. der entsprechenden Anlage
muss ich jetzt nächstes Jahr eine bestimmte Summe ans Finanzamt abführen
und die Sache ist erledigt.
Wenn ich jetzt auf die Kleinunternehmerregelung verzichten würde,
stellen sich für mich einige Fragen.
1. Zahlen Kunden (Andere Unternehmen) jetzt meine Rechnungen nur noch
Netto, oder immer noch Brutto? Privatleute, die zu meinen Kunden zählen,
würden Brutto zahlen... richtig?
Jein; als Kleinunternehmner /kannst/ du auf die Ust verzichten, d. h. du
stellst sie nicht in Rechnung, der Kunde zahlt sie auch nicht, und du
musst sie nicht ans FA abführen. Du /kannst/ sie aber auch in Rechnung
stellen, dann muss sie der Kunde zahlen und du misst sie ans FA abführen.

Aber das ist /Umsatzsteuer/ und keine /Einkommenssteuer/.
Post by Gregory D. Shaw
2. Muss ich die 19% auf die bisherige Summe draufschlagen, oder eine
geringere Netto- und die selbe Brutto-Summe angeben wenn ich keine
Preiserhöhung erzielen möchte?
Für Firmen als Kunden macht das eh keinen Unterschied, das ist für die
nur ein durchlaufender Posten. Für die ist es egal, ob sie /ihre/ USt
/direkt/ ans FA abliefern, oder sie dir bezahlen, und dafür deine
Rechnung beim FA /absetzen/ können.
Post by Gregory D. Shaw
3. Worauf zahle ich am Ende des Jahres Steuern?
Das kommt darauf an, /welche/ Steuern bei dir anfallen: Die USt, die von
dir ggf. eingenommene (und noch nicht abgeführt) wurde, EkSt auf dein
Einkommen, KFZ-Steuer auf dein(e) Fahrzeug(e), Abgeltungssteuer auf
deine Börsengewinne, Grundsteuer auf deine Immobilien, usw. usf.
Post by Gregory D. Shaw
4. Was haben die anderen Unternehmen davon wenn ich wechsel? Was habe
ich davon? Hat das für mich am Ende des Jahres finanzielle Vor- oder
Nachteile? Oder gleicht sich nach der Steuererklärung eh alles aus?
Nix; nix; weder noch; ja.

Einzige Ausnahmen sind Privatpersonen und Firmen, die selber kaum Ust
einnehmen (z. B. andere Kleinunternehmer). Diese müssten dann
tatsächlich die USt auf deiner Rechnung zahlen, /ohne/ sie ggf.
(Privatpersonen sowieso nicht) beim FA absetzen zu können.

Wolfgang
--
If I could, I would wish for ONE news INDEED being a fake, namely for
the news of this immature cockalorum in fact became President of the
United States.
Ulrich Maier
2017-12-06 10:19:46 UTC
Permalink
Post by Wolfgang Jäth
Post by Gregory D. Shaw
2. Muss ich die 19% auf die bisherige Summe draufschlagen, oder eine
geringere Netto- und die selbe Brutto-Summe angeben wenn ich keine
Preiserhöhung erzielen möchte?
Für Firmen als Kunden macht das eh keinen Unterschied, das ist für die
nur ein durchlaufender Posten. Für die ist es egal, ob sie /ihre/ USt
/direkt/ ans FA abliefern,
"Ihre USt" gibt es (bis auf sehr wenige Ausnahmen) nicht!

U.
Ulrich Maier
2017-12-06 10:17:53 UTC
Permalink
Post by Gregory D. Shaw
Wenn ich jetzt auf die Kleinunternehmerregelung verzichten würde,
stellen sich für mich einige Fragen.
Dann stellst Du Deinen Kunden 19 % (7 %) USt in Rechnung und führst
diesen Betrag dann 1:1 ans FA ab. Für Dich also ein durchlaufender Posten.

Und Du kannst die USt auf Deinen Lieferantenrechnungen (z.B.
Büromaterial, Computer) als "Vorsteuer" vom FA zurückholen. Hier wird es
für Dich also billiger.
Post by Gregory D. Shaw
1. Zahlen Kunden (Andere Unternehmen) jetzt meine Rechnungen nur noch
Netto, oder immer noch Brutto? Privatleute, die zu meinen Kunden zählen,
würden Brutto zahlen... richtig?
Außer in bestimmten Branchen (z.B. Bau) zahlen die Kunden die Rechnungen
inkl. USt an Dich, Du führst die USt ans FA ab.
Post by Gregory D. Shaw
2. Muss ich die 19% auf die bisherige Summe draufschlagen, oder eine
geringere Netto- und die selbe Brutto-Summe angeben wenn ich keine
Preiserhöhung erzielen möchte?
Du musst gar nix. Wenn Du sie draufsattelst, wird es für Deine Kunden,
die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, um 19 % teurer. Für die
übrigen ändert sich nichts. Sie zahlen an Dich 19 % mehr und holen sich
die USt vom FA als "Vorsteuer" wieder zurück.

Was Du also tust, hängt von der Zahlungsbereitschaft Deiner nicht zum
Vorsteuerabzug berechtigten Kunden ab.
Post by Gregory D. Shaw
3. Worauf zahle ich am Ende des Jahres Steuern?
Auf Deinen Gewinn (Nettoerlöse - Nettokosten), der nix mit der USt zu
tun hat. Die läuft so zu sagen nebenher.
Post by Gregory D. Shaw
4. Was haben die anderen Unternehmen davon wenn ich wechsel? Was habe
ich davon? Hat das für mich am Ende des Jahres finanzielle Vor- oder
Nachteile? Oder gleicht sich nach der Steuererklärung eh alles aus?
Für Dich gibt es nur folgende Unterschiede:
- Für Privatkunden (genauer: nicht zum Vorsteuerabzug berechtigte
Kunden) wird es teurer oder Du reduzierst Deine Nettopreise und
verdienst weniger)
- Du erhältst die von Dir bezahlte USt als Vorsteuer vom FA zurück (das
reduziert Deine Kosten, erhöht also Deinen Gewinn).

Nur: Gruppen sind sicher nicht der richtige Weg, Dich schlau zu machen.
Kauf Dir ein Buch über Einfürhung in die Buchhaltung o.ä. Die gibt es zu
hauf. Wenn dann noch Fragen bleiben, kannst Du sie hier stellen.

Ulrich
Andreas Neumann
2017-12-06 10:27:56 UTC
Permalink
Post by Ulrich Maier
Dann stellst Du Deinen Kunden 19 % (7 %) USt in Rechnung und führst
diesen Betrag dann 1:1 ans FA ab. Für Dich also ein durchlaufender Posten.
Und Du kannst die USt auf Deinen Lieferantenrechnungen (z.B.
Büromaterial, Computer) als "Vorsteuer" vom FA zurückholen. Hier wird es
für Dich also billiger.
Das kann, muss aber nicht sein. Wenn er seine Dienstleistung an Privatkunden
verkauft, wird sein Produkt plötzlich 19% teurer. Das kann ein Boomerang
sein, der ihn im Extremfall das Geschäft kostet. Bzw. anders herum,
verringert sich sein Nettoumsatz um den Betrag der USt.
Die Kleinunternehmerregelung könnte durchaus _sein_ Wettbewerbsvorteil sein.
Ulrich Maier
2017-12-06 10:53:03 UTC
Permalink
Post by Andreas Neumann
Post by Ulrich Maier
Dann stellst Du Deinen Kunden 19 % (7 %) USt in Rechnung und führst
diesen Betrag dann 1:1 ans FA ab. Für Dich also ein durchlaufender Posten.
Und Du kannst die USt auf Deinen Lieferantenrechnungen (z.B.
Büromaterial, Computer) als "Vorsteuer" vom FA zurückholen. Hier wird es
für Dich also billiger.
Das kann, muss aber nicht sein.
Doch, es muss!
Post by Andreas Neumann
Wenn er seine Dienstleistung an Privatkunden verkauft, wird sein Produkt plötzlich 19% teurer. Das kann ein Boomerang
sein, der ihn im Extremfall das Geschäft kostet.
Ja. Das ist aber etwas ganz Anderes, auf das ich auch an anderer Stelle
eingegangen bin.
Post by Andreas Neumann
Bzw. anders herum, verringert sich sein Nettoumsatz um den Betrag der USt.
Auch das ergibt sich aus meiner Antwort.
Post by Andreas Neumann
Die Kleinunternehmerregelung könnte durchaus _sein_ Wettbewerbsvorteil sein.
Ja, natürlich. Der Verzicht ist in der Regel nur dann sinnvoll, wenn die
zum Vorsteuerabzug berechtigten Kunden überwiegen. Der Vorteil des
eigenen Vorsteuerabzugs ist in der Regel von nachrangiger Bedeutung,
aber ein Grund zur USt zu optieren, wenn man es nur (bzw. ganz
überwiegend) mit zum Vorsteuerabzug berechtigten Kunden zu tun hat.

Ulrich

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