Discussion:
Doppelte Haushaltsführung
(zu alt für eine Antwort)
Wolfgang K
2008-05-19 07:44:59 UTC
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Hallo,

meine Freundin (eigenes Haus, ein Kind, berufstätig, StKl II) und ich
(eigenes Haus, 2 Kinder, berufstätig, StKl II) wollen heiraten. Wir
werden nach bisherigem Kenntnisstand wg Wegfall von Renten daran
gehindert: als Gegenrechnung errechnen wir keinen steuerlicher Vorteil
gegenüber dem Status quo. Wir wohnen ca 30km entfernt und wollen
zunächst nicht zusammen ziehen, weil die Kinder dann nicht mehr
unabhängig ihre Schule erreichen, die noch 2 Jahre dauern wird.

Frage: Hat jemand Erfahrung mit dem Versuch, eine solche Konstellation
als doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend zu machen?

Danke für Antworten, Gruß, Wolfgang
Martin Hentrich
2008-05-19 08:14:54 UTC
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On Mon, 19 May 2008 09:44:59 +0200, Wolfgang K
Post by Wolfgang K
meine Freundin (eigenes Haus, ein Kind, berufstätig, StKl II) und ich
(eigenes Haus, 2 Kinder, berufstätig, StKl II) wollen heiraten. Wir
werden nach bisherigem Kenntnisstand wg Wegfall von Renten daran
gehindert: als Gegenrechnung errechnen wir keinen steuerlicher Vorteil
gegenüber dem Status quo.
Aha, man heiratet also wegen der Steuer... :-(

Das ist kein guter Anfang.
Post by Wolfgang K
Wir wohnen ca 30km entfernt und wollen
zunächst nicht zusammen ziehen, weil die Kinder dann nicht mehr
unabhängig ihre Schule erreichen, die noch 2 Jahre dauern wird.
Frage: Hat jemand Erfahrung mit dem Versuch, eine solche Konstellation
als doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend zu machen?
Ich sehe da keine doppelte Haushaltsführung.

Ich sehe da ein Getrenntleben.

Martin
--
Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.
Was darüber ist, das ist vom Übel.
[Mt. 5, 37]
Ralf Bosselmann
2008-05-19 20:36:23 UTC
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Post by Martin Hentrich
On Mon, 19 May 2008 09:44:59 +0200, Wolfgang K
Aha, man heiratet also wegen der Steuer... :-(
Zitat aus einer anderen Newsgroup "Zusammen zieht man aus Liebe.
Geheiratet wird für die Steuer."
Die Haltung ist nicht ganz so ungewöhnlich. Und rechnen sollte man eben
immer vorher.
Post by Martin Hentrich
Das ist kein guter Anfang.
Ansichtssache. Soll einige geben die damit gut leben.
Post by Martin Hentrich
Post by Wolfgang K
Wir wohnen ca 30km entfernt und wollen
zunächst nicht zusammen ziehen, weil die Kinder dann nicht mehr
unabhängig ihre Schule erreichen, die noch 2 Jahre dauern wird.
Passt irgendwie nicht ganz.
Post by Martin Hentrich
Post by Wolfgang K
Frage: Hat jemand Erfahrung mit dem Versuch, eine solche Konstellation
als doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend zu machen?
Mit der Hochzeit sollte sich ein Wohnort als Familienwort deklarieren
lassen.
Wenn die Zweitwohnung aber nicht aus beruflichen Gründen
aufrechterhalten und ansonsten am Familienwohnort gelebt wird ist es
keine beruflich begründete DHH.
Post by Martin Hentrich
Ich sehe da keine doppelte Haushaltsführung.
Wenn nicht noch die jeweiligen Arbeitsorte hinzukommen hast du wohl recht.


Ralf
Frank Kozuschnik
2008-05-19 21:29:05 UTC
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Post by Ralf Bosselmann
Wenn die Zweitwohnung aber nicht aus beruflichen Gründen
aufrechterhalten [...] wird ist es keine beruflich
begründete DHH.
Entscheidend ist, ob die doppelte Haushaltsführung aus beruflichem
Anlass *begründet* wurde. Dagegen ist es gleichgültig, aus welchen
Gründen die doppelte Haushaltsführung *beibehalten* wird.
Ralf Bosselmann
2008-05-19 21:52:40 UTC
Permalink
Post by Frank Kozuschnik
Post by Ralf Bosselmann
Wenn die Zweitwohnung aber nicht aus beruflichen Gründen
aufrechterhalten [...] wird ist es keine beruflich
begründete DHH.
Entscheidend ist, ob die doppelte Haushaltsführung aus beruflichem
Anlass *begründet* wurde. Dagegen ist es gleichgültig, aus welchen
Gründen die doppelte Haushaltsführung *beibehalten* wird.
Bei Heirat wird eine solche berufliche Begründung regelmäßig
angenommen. So zumindest lese ich die mir bekannten Urteile die bei
Heirat eine solche DHH anerkennen.
Zum anderen ist beides zumindest einem mir bekannten Finanzamt völlig
egal. Das akzeptiert nur 2 - 3 Jahre ohne Widerstand.

Ralf
Wolfgang K
2008-05-20 07:06:51 UTC
Permalink
Tach zusammen,

danke für die Antworten,
Post by Ralf Bosselmann
Bei Heirat wird eine solche berufliche Begründung regelmäßig
angenommen. So zumindest lese ich die mir bekannten Urteile die bei
Heirat eine solche DHH anerkennen.
Zum anderen ist beides zumindest einem mir bekannten Finanzamt völlig
egal. Das akzeptiert nur 2 - 3 Jahre ohne Widerstand.
Besonders dies macht Hoffnung. Ich ruf mal bei Finanzamt an. Bei uns
wird es so sein:

- Wir haben z.Zt. 2 etablierte Haushalte, von denen sich nicht so
einfach einer abschaffen lässt.
- Privat wird das Leben mehr und mehr in das Haus meiner Frau einziehen.
- Beruflich habe ich von dort einen erheblich weiteren Weg zur Arbeit
als jetzt (ca 60km).

Weiterhin ist es hoffnungsloser Unsinn, vor einer Heirat NICHT den
Taschenrechner zu bemühen. Sind wir schon alle im 21. Jhd angekommen?
Mit zusammen 100 Lenzen müssen wir wirklich nicht mehr heiraten, um
glücklich zu sein/werden.

Gruß, Wolfgang, der Mühe hatte, das Kürzel DHH Nicht als
Doppelhaushälfte zu lesen ;-)
Frank Kozuschnik
2008-05-20 08:13:45 UTC
Permalink
Post by Wolfgang K
- Wir haben z.Zt. 2 etablierte Haushalte, von denen sich nicht so
einfach einer abschaffen lässt.
- Privat wird das Leben mehr und mehr in das Haus meiner Frau einziehen.
Solange ihr weiterhin getrennt lebt, ist es für keinen von euch
doppelte Haushaltsführung. Erst wenn du im Haus deiner Frau wohnst und
am dortigen Hausstand beteiligt bist, entsteht für dich doppelte
Haushaltsführung.
Post by Wolfgang K
- Beruflich habe ich von dort einen erheblich weiteren Weg zur Arbeit
als jetzt (ca 60km).
Weiterhin ist es hoffnungsloser Unsinn, vor einer Heirat NICHT den
Taschenrechner zu bemühen. Sind wir schon alle im 21. Jhd angekommen?
Mit zusammen 100 Lenzen müssen wir wirklich nicht mehr heiraten, um
glücklich zu sein/werden.
Auch im 21. Jahrhundert hat eine Eheschließung noch weitreichendere
Folgen, die sich nicht allein an den Geldflüssen bei Steuer und
Sozialversicherung ablesen lassen.
Wolfgang K
2008-05-21 07:50:18 UTC
Permalink
Tach zusammen,
Post by Wolfgang K
Post by Ralf Bosselmann
Bei Heirat wird eine solche berufliche Begründung regelmäßig
angenommen. So zumindest lese ich die mir bekannten Urteile die bei
Heirat eine solche DHH anerkennen.
Zum anderen ist beides zumindest einem mir bekannten Finanzamt völlig
egal. Das akzeptiert nur 2 - 3 Jahre ohne Widerstand.
Besonders dies macht Hoffnung. Ich ruf mal bei Finanzamt an. Bei uns
- Wir haben z.Zt. 2 etablierte Haushalte, von denen sich nicht so
einfach einer abschaffen lässt.
- Privat wird das Leben mehr und mehr in das Haus meiner Frau einziehen.
- Beruflich habe ich von dort einen erheblich weiteren Weg zur Arbeit
als jetzt (ca 60km).
Das Finanzamt war schneller als sein Ruf... Der dortige Sachbearbeiter
erklärte mir, mit meinem letzten Grund werden wir auf jeden Fall DHH
begründen können, wenn alleine aufgeführt. Lebensmittelpunkt wird
ohnehin das Haus meiner Freundin, so dass dies sogar ehrlich ist. Ich
kann jedoch nicht die Kosten für ein ganzes Haus sondern nur das
Äquivalent einer ca 60m^2 Wohnung geltend machen.

Danke also nochmal für die Antworten,
Gruß, Wolfgang
Frank Kozuschnik
2008-05-20 07:58:58 UTC
Permalink
Post by Ralf Bosselmann
Post by Frank Kozuschnik
Post by Ralf Bosselmann
Wenn die Zweitwohnung aber nicht aus beruflichen Gründen
aufrechterhalten [...] wird ist es keine beruflich
begründete DHH.
Entscheidend ist, ob die doppelte Haushaltsführung aus beruflichem
Anlass *begründet* wurde. Dagegen ist es gleichgültig, aus welchen
Gründen die doppelte Haushaltsführung *beibehalten* wird.
Bei Heirat wird eine solche berufliche Begründung regelmäßig
angenommen. So zumindest lese ich die mir bekannten Urteile die
bei Heirat eine solche DHH anerkennen.
Das gilt nur dann, wenn beide Ehepartner schon vor der Eheschließung
an verschiedenen Orten berufstätig waren, jeweils dort gewohnt haben
und nach der Eheschließung eine der beiden Wohnungen - unter
Beibehaltung der anderen - zum Familienwohnsitz machen.
Uwe Schmitz
2008-05-20 09:27:30 UTC
Permalink
Post by Ralf Bosselmann
Post by Frank Kozuschnik
Entscheidend ist, ob die doppelte Haushaltsführung aus beruflichem
Anlass *begründet* wurde. Dagegen ist es gleichgültig, aus welchen
Gründen die doppelte Haushaltsführung *beibehalten* wird.
Bei Heirat wird eine solche berufliche Begründung regelmäßig
angenommen. So zumindest lese ich die mir bekannten Urteile die bei
Heirat eine solche DHH anerkennen.
Hättest Du da die Aktenzeichen dieser Urteile zu Hand.
Denn durch die Heirat wird ja kein zweiter Haushalt *begründet*. Der
Haushalt existierte ja schon.

Siehe FG Köln vom 11.5.2000, / K 499/94

Uwe
Ralf Bosselmann
2008-05-20 18:04:34 UTC
Permalink
Post by Uwe Schmitz
Post by Ralf Bosselmann
Bei Heirat wird eine solche berufliche Begründung regelmäßig
angenommen. So zumindest lese ich die mir bekannten Urteile die bei
Heirat eine solche DHH anerkennen.
Hättest Du da die Aktenzeichen dieser Urteile zu Hand.
Denn durch die Heirat wird ja kein zweiter Haushalt *begründet*. Der
Haushalt existierte ja schon.
z.B. ein etwas älteres, dessen Tenor aber meines Wissens nach weiterhin
gilt: BFH-Urteil vom 4.10.1989 (VI R 44/88) BStBl. 1990 II S. 321

mit BFH Az. VI R 31/05 wurde das auch auf eheänliche Gemeinschaften -
allerdings nur im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes - ausgedehnt.

Ralf
Uwe Schmitz
2008-05-21 18:36:09 UTC
Permalink
Post by Ralf Bosselmann
z.B. ein etwas älteres, dessen Tenor aber meines Wissens nach
weiterhin gilt: BFH-Urteil vom 4.10.1989 (VI R 44/88) BStBl. 1990 II
S. 321
Da lese ichz aber etwas anderes heraus:

Hier der Tenor, der nicht zum Sachverhalt passt:

1. Der Senat hält daran fest, daß die Gründung eines doppelten Haushalts
dann beruflich veranlaßt ist, wenn beide Ehegatten bereits vor ihrer Heirat
an verschiedenen Orten berufstätig waren, an ihren Beschäftigungsorten
wohnten und nach der Eheschließung eine der beiden Wohnungen zur
Familienwohnung gemacht haben.

2. Dieser Grundsatz gilt auch dann, wenn die Ehegatten schon vor der
Eheschließung zusammengelebt und die spätere Familienwohnung an einem der
beiden Beschäftigungsorte gemeinsam bewohnt haben.

Voller Text unter: http://www.bfh.simons-moll.de/bfh_1990/XX900321.HTM

Uwe

Uwe Schmitz
2008-05-19 11:05:20 UTC
Permalink
Post by Wolfgang K
Frage: Hat jemand Erfahrung mit dem Versuch, eine solche Konstellation
als doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend zu machen?
Die Erfahrung sagt, dass das, was Du beschrieben hast, keine doppelte
Haushaltsführung im steuerlichen Sinn ist.

Fragen zum selbst beantworten:
Wo ist Dein Familienmittelpunkt?
Hast Du eine zweite Wohnung aus ausschließlich beruflichen Gründen
zusätzlich angemietet?

Uwe
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