Discussion:
Doppelte Haushaltsführung in USA auf US Einkommen angerechnet?
(zu alt für eine Antwort)
f***@gmx.de
2006-11-11 03:38:37 UTC
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Hallo,

folgendes Problem:
Letztes Jahr zieht Ehefrau berufsbedingt (Postdoc) am 1. April in die
USA. Ehemann zieht am 11. August nach, dann ebenfalls berufsbedingt
(Entsendung durch Arbeitgeber).

Im Zeitraum 1. April bis 11. August unterhält das Ehepaar zwei
Haushalte, Mittelpunkt bleibt aber in Deutschland (Zwei Aufenthalte der
Ehefrau, in Summe drei Wochen).

Ehepaar erstellt getrennte Steuererklärung in den USA, gemeinsame in
Deutschland: US Einkommen wird in USA versteuert, D Einkommen in D,
allerdings wird in D das US Einkommen auf den Steuersatz angerechnet
(Progressionvorbehalt).

Wovon sind entstandene Werbungskosten für doppelte Haushaltsführung
abzuziehen:
Option a: Familieneinkommen in Deutschland mit voller Anrechnung als
Werbungskosten
Option b: Familieneinkommen in den USA, so dass nur eine Reduktion des
Progressionsvorbehaltes erfolgt.

Danke bereits vorab!
Florian
Uwe Schmitz
2006-11-11 11:55:18 UTC
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Post by f***@gmx.de
Wovon sind entstandene Werbungskosten für doppelte Haushaltsführung
Option a: Familieneinkommen in Deutschland mit voller Anrechnung als
Werbungskosten
Option b: Familieneinkommen in den USA, so dass nur eine Reduktion des
Progressionsvorbehaltes erfolgt.
Option a entfällt, weil das amerikanische Einkommen der Ehefrau in
Deutschland steuerfrei ist.
Werbungskosten zu steuerfreien Einnahmen sind ausgeschlossen.

Option b: Was sagt das amerikanische Steuerrecht dazu?

Uwe
Gerd Kluger
2006-11-13 09:45:28 UTC
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Post by f***@gmx.de
Wovon sind entstandene Werbungskosten für doppelte Haushaltsführung
Option a: Familieneinkommen in Deutschland mit voller Anrechnung als
Werbungskosten
Option b: Familieneinkommen in den USA, so dass nur eine Reduktion des
Progressionsvorbehaltes erfolgt.
Option a entfällt, weil das amerikanische Einkommen der Ehefrau in Deutschland steuerfrei ist.
Werbungskosten zu steuerfreien Einnahmen sind ausgeschlossen.
Option b: Was sagt das amerikanische Steuerrecht dazu?
Ohne jetzt das amerikanische Steuerrecht genau zu kennen würde ich
drauf wetten, wenn Du denen mit sowas wie DHHF kommst, lachen die
sich schlapp.

Gruß
Gerd
Steve Highcastle
2006-11-15 09:52:17 UTC
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Post by Gerd Kluger
Post by Uwe Schmitz
Option b: Was sagt das amerikanische Steuerrecht dazu?
Ohne jetzt das amerikanische Steuerrecht genau zu kennen würde ich
drauf wetten, wenn Du denen mit sowas wie DHHF kommst, lachen die
sich schlapp.
Da hast Du vollkommen recht. Im US-Steuerrecht gibt es weder eine
Entfernungspauschale noch eine Doppelte Haushaltsführung. US-Mandanten
sind immer wieder erstaunt, was wir in D hier so haben. Und wir haben
eine nicht astreine Übersetzung für sie (double housing expenses), weil
es einen offiziellen englischsprachigen Ausdruck nicht gibt.

Gruß, Steve
Gerhard Mesenich
2006-11-16 22:28:34 UTC
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[ Steuern USA/D ]
Post by Steve Highcastle
Post by Gerd Kluger
Post by Uwe Schmitz
Option b: Was sagt das amerikanische Steuerrecht dazu?
Ohne jetzt das amerikanische Steuerrecht genau zu kennen würde ich
drauf wetten, wenn Du denen mit sowas wie DHHF kommst, lachen die
sich schlapp.
Da hast Du vollkommen recht. Im US-Steuerrecht gibt es weder eine
Entfernungspauschale noch eine Doppelte Haushaltsführung.
Richtig, die Sache ist kompliziert. Etliche Dinge kommen infrage; unter
Vorbehalt. Es kann sei, daß meine Kenntnisse überholt sind:

Doppelte Haushaltsführung kann bezüglich des Progressionsvorbehalts in D
geltend gemacht werden. Hierfür gab/gibt es? spezielle
Auslandspauschalen. Solange noch kein fester Wohnsitz bezogen wird,
können die entsprechenden Auslandsreisekostenpauschalen geltend gemacht
werden.

In den USA heißt der gleiche Sachverhalt 'temporary job away from home'.
Die Bedingungen ändern sich häufig, dazu gibt es entsprechende
Merkblätter der IRS (dort runterladen und prüfen). Dabei
gilt nach meiner Erinnerung derjenige Standort, an dem das
Haupteinkommen bezogen wird, als Hauptwohnsitz (tax home).

Bei vorübergehenden Entsendungen und Lohnbezug in D (nonresident alien
;-) und weiterhin bestehendem Wohnsitz in D entfällt in der Regel die
lokale Steuer, das ist unter anderem abhängig vom Visastatus und kann
durchaus bis zu mehreren Jahren zutreffen (mehrfach verlängerte Visa).
Dabei werden dann typisch ca. 5-10 Prozentpunkte (ca.20-30%) der Steuer
gespart. Der Sachverhalt muß mit den Erläuterungen des jeweiligen
Bundesstaates geprüft werden.

Des weiteren werden solche Kosten normalerweise einfach als Reisekosten
(travel expenses - Merkblatt besorgen) abgerechnet, sofern der
Aufenthalt vorübergehend ist; bzw. solange dort noch kein fester
Wohnsitz genommen wurde. Das kann im Einzelfall durchaus auch für
längere Zeiträume (mehrere Jahre) gehen, insbesondere wenn es dabei
häufig hin und hergeht. Für die Arbeitsverhältnisse wird die
Hinreise/Umzugskosten in den USA geltend gemacht, die
Rückreise/Umzugskosten bei Beendigung in D.

In den USA sind Stipendien bei Studenten/postdoc? normalerweise gemäß
Doppelbesteuerungsabkommen mit einer Pauschale/Höchstbetrag? steuerfrei
gestellt.

Grundsätzlich gilt stets:

Zum jeweiligen Sachverhalt unter den angegebenen Stichworten die
Merkblätter der IRS anfordern oder runterladen. In diesen Merkblättern
sind fast immer listenmäßige 'Tests' (Kriterien) aufgeführt, bei
Erreichen bestimmter (An)zahlen gilt der ensprechende Sachverhalt.

Des weiteren können rund um die Uhr telefonische Auskünfte verlangt
werden (Ortstarif); solche Anfragen müssen per Gesetz innerhalb von 2 h
beantwortet oder an Experten weitergeleitet werden. Diese Auskünfte sind
bei komplizierten Sachverhalten häufig unzuverlässig, wie entsprechende
Tests immer wieder ergeben. Zusätzlich selber schlau machen kann daher
nichts schaden.

Des weiteren kann man die Steuererklärungen auch in den örtlichen
IRS-Büros anfertigen und sich dabei beraten lassen.

HTH, Gruß,
Gerhard
Uwe Schmitz
2006-11-17 13:46:22 UTC
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Post by Gerhard Mesenich
[ Steuern USA/D ]
Post by Steve Highcastle
Post by Gerd Kluger
Post by Uwe Schmitz
Option b: Was sagt das amerikanische Steuerrecht dazu?
Ohne jetzt das amerikanische Steuerrecht genau zu kennen würde ich
drauf wetten, wenn Du denen mit sowas wie DHHF kommst, lachen die
sich schlapp.
Da hast Du vollkommen recht. Im US-Steuerrecht gibt es weder eine
Entfernungspauschale noch eine Doppelte Haushaltsführung.
Richtig, die Sache ist kompliziert. Etliche Dinge kommen infrage;
Ja.
Durch den Wegzug ist der OP beschränkt steuerpflichtig, die Eikünfte aus den
USA steuerfrei.
Ergo entfällt ein irgendwie gearteter Abzug von DHH als WK, auch über den
Progressionsvorbehalt.
DHH-Abzug würde ja voraussetzen, dass hier noch eine zweite Wohung
(Lebensmittelpunkt!) vorhanden wäre.
Und genau das fehlt.

Uwe

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