Discussion:
Abgeltungsteuer und Depotübertrag bei Wegzug aus Deutschland
(zu alt für eine Antwort)
Steffen Hauser
2008-01-22 10:28:44 UTC
Permalink
Hallo zusammen,

eine Anmerkung vorweg: bei der sich mir stellenden folgenden Frage
geht es keinesfalls darum, Steuern zu hinterziehen, bestenfalls darum,
Steuern zu sparen/die Steuerlast zu optimieren.

Wer hat bei der folgenden Konstellation das Besteuerungsrecht?

Bsp.: Führen eines Wertpapiertdepots bei einem inländischen deutschen
Institut (Jahr 2000-2015), dann kompletter Wegzug ins europäische
Ausland (z.B. Spanien, Italien, Frankreich, Österreicht, ...),
Depotübertrag in das neue Wohnsitzland und Veräußerung der Wertpapiere
in den Jahren nach 2015.

Müssen die Erträge aus dem Verkauf der Wertpapiere in Deutschland
versteuert werden? Oder hat das neue Wohnsitz-Land das
Besteuerungsrecht (zu dortigen Steuergesetzen)? Wird bereits bei dem
Depotübertrag ins Ausland die Abgeltungsteuer fällig?

Fragen über Fragen...
Viele Grüße,
-Steffen-
Alexander Wolff
2008-01-22 11:30:26 UTC
Permalink
Warnung: Außensteuerrecht kann Dir nur der Spezialist beantworten!

Grundsätzlich für lfd. Besteuerung (und bei gesitteten DBA -
Doppelbesteuerungsabkommen, die es beileibe nicht mit jedem Land gibt):

Für V+V-Einkünfte gilt die Belegenheitsbesteuerung, für die anderen meist
das Wohnsitzprinzip (oder der Aufenthaltsort im Kalenderjahr, der mehr als
183 Tage gilt).

Deine Mietüberschüsse versteuerst Du bei Wegzug aus Deutschland also
fürderhin als beschränkt Steuerpflichtiger. Steuersatzverlauf ist mir im
Moment unbekannt, aber wahrscheinlich genießt Du im Endeffekt nicht zweimal
den Vorteil der Progressionszone.

Alle anderen Einkünfte fallen normalerweise am ausländischen Wohnsitz an,
wenn das, was für einen Ausländer hier gelten würde, nun auch für Dich im
Ausland gilt (es kommt immer drauf an!).

Außerdem gibt es die Wegzugsbesteuerung (dem Begriff nach einmalig, kann
aber auch über Jahre gehen). Wie die genau funktioniert, weiß ich auch
nicht.

Depotüberträge sind kein Problem. Du hast übrigens einen Anspruch auf
kostenlose Beendigung der Bankbeziehung und Übertrag auf ein neues Depot. Ob
es ins Ausland auch kostenlos sein muss, kann allerdings wohl durch ein
deutsches Gericht nicht geurteilt werden.

Als steuerlicher Ausländer hast Du grundsätzlich einen Anspruch darauf, dass
Du Deine Dividenden brutto erhältst, aber ...! Im Ausland wird die heutige
deutsche KapESt und zukünftige AbgSt wahrscheinlich - wie bei uns
andersherum - in verschiedene Arten von Quellensteuer unterteilt - Fachleute
antworten Dir dann, wie! Abziehbarkeit, Anrechenbarkeit, teilweise
Nichtberücksichtigungen und so weiter.

Ich kann also nur warnen:

- Geringe Einkünfte: Sind nie ein Problem. Der arme Mann kann durch Steuern
nicht so sehr getroffen werden.
- Höhere Einkünfte: Ein Wegzug sollte gut geplant werden - und möglichst
auch dauerhaft entschieden sein, denn Eiertänze etwa mit unentschiedenen
Familienmitgliedern können da sehr teuer werden. Einen monetären Nutzen
zieht man wohl per Saldo frühestens erst nach ein paar Jahren, beginnen tut
man bestimmt immer zunächst mit einer Höherbelastung.

Das Berechnen der Steuerlast in A und B sowie die Migrationskosten an sich
sollten gründlich geschehen, um wirklich vergleichen zu können. Fachleute!

Daher als Tipp: Billige Wohnung zunächst in Deutschland lassen, im Ausland
auch zunächst nur mieten, in Deutschland voll versteuern, sich ans Ausland
gewöhnen, aber dort nur als Tourist auftreten und die Halbjahresfrist dort
unterschreiten (eine diesbezügliche Behauptung ist innerhalb EU und bei
Bewegung mit dem Auto bislang noch nicht widerlegbar, da wir noch nicht alle
RFIDs im Pass haben). Praktisch, wenn Du einen Telearbeitsplatz haben
kannst -Programmierer oder Literat.

Du und Deine Familie seid nur Menschen, die sich zuallererst einmal am neuen
Ort wohlfühlen sollten.

Und denke daran: Letztlich befinden sich sehr langfristig auch alle Staaten
in wirtschaftlicher Konkurrenz. Diese Fristigkeit wird sinken und sich die
Staaten eher aneinander anpassen. Außerdem kann plötzlich auch ein Zielland
eine für Dich sehr unangenehme Spezialregelung einführen. Wer garantiert Dir
irgendwo auf dieser Welt einen Bestandsschutz der Rechtslage? Politische
Sicherheit, Heimweh vs. Wetter, welches ja auch nicht mehr garantiert gleich
bleibt.
--
Moin+Gruss Alexander
Steffen Hauser
2008-01-22 13:08:34 UTC
Permalink
Hallo Alexander,

vielen Dank für deinen Beitrag. Glaube mir, der Wegzug wird gut
überlegt/vorbereitet sein und die steuerlichen Aspekten werden nicht
die Hauptgründe sein. Komplett außen vor lassen darf man das Thema
aber natürlich nicht.
Post by Alexander Wolff
Warnung: Außensteuerrecht kann Dir nur der Spezialist beantworten!
Wer könnte für solche Theman kompetenter Ansprechpartner sein? Ich
fühle mich bei meinem Steuerberater hier in Deutschland für das
deutsche Steuerrecht gut aufgehoben, bei derartigen Themen hätte ich
allerdings meine Bedenken. Welche Berufsgruppe hat das notwendige
Fachwissen, kann kompetent beraten und Empfehlungen aussprechen?

-Steffen-
Alexander Schröder
2008-01-22 19:08:01 UTC
Permalink
Post by Steffen Hauser
Post by Alexander Wolff
Warnung: Außensteuerrecht kann Dir nur der Spezialist beantworten!
Wer könnte für solche Theman kompetenter Ansprechpartner sein? Ich
fühle mich bei meinem Steuerberater hier in Deutschland für das
deutsche Steuerrecht gut aufgehoben, bei derartigen Themen hätte ich
allerdings meine Bedenken. Welche Berufsgruppe hat das notwendige
Fachwissen, kann kompetent beraten und Empfehlungen aussprechen?
Die Berufsgruppe der Steuerberater sind (eigentlich) genau diese
Experten. Unter Umständen hat auf diesem Gebit aber ein jüngerer StB
mehr Kenntnisse als ein älterer, ein grenznah wohnender mehr als ein
mitten in Deutschland wohnender, ein in einer größeren Kanzlei
arbeitender mehr als ein seinen Beruf einzeln ausübender...

Alex
Alexander Schröder
2008-01-22 19:00:50 UTC
Permalink
Post by Steffen Hauser
Wer hat bei der folgenden Konstellation das Besteuerungsrecht?
Bsp.: Führen eines Wertpapiertdepots bei einem inländischen deutschen
Institut (Jahr 2000-2015), dann kompletter Wegzug ins europäische
Ausland (z.B. Spanien, Italien, Frankreich, Österreicht, ...),
Für steuerliche Zwecke muß unterschieden werden zwischen EU und EWR und
dem übrigen Europa.

Du fragst nach dem in 2015, also in sieben Jahren, gültigen Steuerrecht.
Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann die Frage aber für die
derzeitige Rechtslage beantworten.
Post by Steffen Hauser
Depotübertrag in das neue Wohnsitzland
Der Depotübertrag ist keine Veräußerung. Es kommt also nicht zu einer
Versteuerung eines privaten Veräußerungsgeschäftes (§ 23 Abs. 1 Nr. 2
EStG a.F./§ 20 Abs. 2 EStG n.F.).
Es gibt da aber noch die sogenannte Wegzugsbesteuerung des § 6 AStG.
Diese betrifft jedoch _nur_ Gesellschaftsbeteiligungen _von_über_1_%_.
In Wegzugsfällen (was genau darunter fällt, steht in § 6 Abs. 1 Sätze 1
und 2 AStG) muß dann der Unterschiedsbetrag zwischen dem gemeinen Wert
(= Kurswert) und den Anschaffungskosten versteuert werden. Weil die
Regelung in dieser Form EU-rechtswidrig war, sieht ein neuer § 6 Abs. 5
AStG nun vor, daß die Steuer für Staatsangehörige eines EU-Staates oder
eines Vertragsstaates des EWR-Abkommens, die in einen dieser Staaten
hinziehen, die Steuer zinslos zu stunden ist.
Post by Steffen Hauser
und Veräußerung der Wertpapiere
in den Jahren nach 2015.
Wenn in Deutschland keine unbeschränkte Steuerpflicht mehr besteht, der
Stpfl. in Deutschland also keinen Wohnsitz mehr beibehalten und auch
keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr hat, sind diese Veräußerungsgewinne
in Deutschland nicht mehr steuerbar. Die Besteuerung richtet sich allein
nach dem Recht des neuen Wohnsitzstaates.

Alex
Alexander Schröder
2008-01-24 20:54:52 UTC
Permalink
Post by Alexander Schröder
Post by Steffen Hauser
und Veräußerung der Wertpapiere
in den Jahren nach 2015.
Wenn in Deutschland keine unbeschränkte Steuerpflicht mehr besteht, der
Stpfl. in Deutschland also keinen Wohnsitz mehr beibehalten und auch
keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr hat, sind diese Veräußerungsgewinne
in Deutschland nicht mehr steuerbar. Die Besteuerung richtet sich allein
nach dem Recht des neuen Wohnsitzstaates.
Das muß ich jetzt aber schnell wieder zurücknehmen: Sobald solche
"wesentlichen" Beteiligungen veräußert werden, wird die gestundete
Steuer fällig.

Alex

Lesen Sie weiter auf narkive:
Loading...