Discussion:
Getrennt lebendes Ehepaar gemeinsame Steuererklärung nach Ableben eines Partners?
(zu alt für eine Antwort)
Gerald Oppen
2019-04-14 13:46:38 UTC
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Bei einem getrennt lebendem Rentner-Ehepaar ist Juni 2018 ein Partner
verstorben. In den Rentnerjahren zuvor war noch keine Steuererklärung
gefordert worden. Nun wird vom noch lebenden Partner für 2018 eine
Steuererklärung gefordert.
Wie ist das sinnvolle Vorgehen dazu?
Ist eine gemeinsame Erklärung möglich (getrennte Haushalte)/sinnvoll?
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?


Gerald
Thomas Homilius
2019-04-15 17:28:39 UTC
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Post by Gerald Oppen
Bei einem getrennt lebendem Rentner-Ehepaar ist Juni 2018 ein Partner
verstorben. In den Rentnerjahren zuvor war noch keine Steuererklärung
gefordert worden. Nun wird vom noch lebenden Partner für 2018 eine
Steuererklärung gefordert.
Wie ist das sinnvolle Vorgehen dazu?
Ist eine gemeinsame Erklärung möglich (getrennte Haushalte)/sinnvoll?
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
Wenn das Rentnerehepaar schon am 01 Januar 2018 dauernd getrennt gelebt
hat, dann ist keine Zusammenveranlagung moeglich.

Ich stelle mir das so vor, dass der verbliebene Erbe die ESt-Erklaerung
fuer den Verstorbenen fuer 2018 machen wird. Man wird sicherlich auf das
Realsplittung oder den Abzug als aussergewoehnliche Belastung des
Ehegattenunterhaltes achten muessen.

Eine "gemeinsame Erklaerung (getrennte Haushalte)" gibt es nicht.

Wenn die Erbmasse fuer die Beerdigungskosten ausreicht, sollte kein
Abzug bei der ESt moeglich sein.
--
Thomas Homilius
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http://pgp.mit.edu/pks/lookup?op=get&search=0xA5AD0637441E286F
Martin Gerdes
2019-04-24 10:19:19 UTC
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Post by Gerald Oppen
Bei einem getrennt lebendem Rentner-Ehepaar ist Juni 2018 ein Partner
verstorben. In den Rentnerjahren zuvor war noch keine Steuererklärung
gefordert worden. Nun wird vom noch lebenden Partner für 2018 eine
Steuererklärung gefordert.
Wie ist das sinnvolle Vorgehen dazu?
Zum Steuerberater gehen, da davon auszugehen ist, daß der überlebende
Partner hinreichend wenig mit dem Vorgehen vertraut ist, als daß er das
allein hinbekommt.

Oder schaffst Du es, Dich für die Dir mutmaßlich nahestehende Person
einzulesen?
Post by Gerald Oppen
Ist eine gemeinsame Erklärung möglich (getrennte Haushalte)/sinnvoll?
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Beerdigungskosten sind normalerweise nicht absetzbar ...
Post by Gerald Oppen
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden, wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
... weil sie aus der Erbmasse beglichen werden, gerade auch in dem von
Dir geschilderten Fall.

Meinem Verständnis der Steuersystematik widerspricht das zwar (Warum
sollten eine Zahnprothese und Krankenhauskosten als außergewöhnliche
Belastung abgesetzt werden können, Beerdigungskosten, die meinem
Verständnis nach auch so eine Art Krankheitskosten sind, nicht?), aber
so ist es halt.

Steuererklärungen für Rentner sind eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für
das hierzulande ohnehin hypertrophierte Steuerberaterwesen.
Frank Kozuschnik
2019-04-24 11:38:30 UTC
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Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Beerdigungskosten sind normalerweise nicht absetzbar ...
Post by Gerald Oppen
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden, wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
... weil sie aus der Erbmasse beglichen werden, gerade auch in dem von
Dir geschilderten Fall.
Sie sind schon absetzbar, allerdings nicht bei der Einkommensteuer,
sondern nur bei der Erbschaftsteuer (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
Post by Martin Gerdes
Meinem Verständnis der Steuersystematik widerspricht das zwar (Warum
sollten eine Zahnprothese und Krankenhauskosten als außergewöhnliche
Belastung abgesetzt werden können, Beerdigungskosten, die meinem
Verständnis nach auch so eine Art Krankheitskosten sind, nicht?), aber
so ist es halt.
Die Zahnprothese und das Krankenhaus sind bei der /Einkommensteuer/ im
Prinzip absetzbar, soweit man diese Dinge aus dem eigenen /Einkommen/
bezahlt hat. Was dagegen die Krankenversicherung getragen hat, ist nicht
absetzbar. Auch Bestattungskosten kann man unter gewissen Umständen als
außergewöhnliche Belastungen geltend machen, wenn man sie aus dem
eigenen Einkommen zahlen musste.
Kluger, Gerd
2019-04-24 13:06:52 UTC
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Post by Frank Kozuschnik
Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Beerdigungskosten sind normalerweise nicht absetzbar ...
Post by Gerald Oppen
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden, wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
... weil sie aus der Erbmasse beglichen werden, gerade auch in dem von
Dir geschilderten Fall.
Sie sind schon absetzbar, allerdings nicht bei der Einkommensteuer,
sondern nur bei der Erbschaftsteuer (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
Sie sind zum Teil als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer abziebar
soweit die Beerdigungskosten höher als der Nachlass sind und eine
rechtliche oder sittliche Verpflichtung besteht, diese Kosten zu
übernehmen.

Auf jeden Fall gilt aber, dass zur Deckeung der Kosten zunächst der
Nachlass in Anspruch zu nehmen ist.

Grüße
Gerd
Frank Kozuschnik
2019-04-24 14:49:39 UTC
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Post by Kluger, Gerd
Post by Frank Kozuschnik
Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Beerdigungskosten sind normalerweise nicht absetzbar ...
Post by Gerald Oppen
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden, wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
... weil sie aus der Erbmasse beglichen werden, gerade auch in dem von
Dir geschilderten Fall.
Sie sind schon absetzbar, allerdings nicht bei der Einkommensteuer,
sondern nur bei der Erbschaftsteuer (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
Sie sind zum Teil als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer abziebar
Wenn sie absetzbar sind, dann nicht als Sonderausgaben, sondern
allenfalls als außergewöhnliche Belastungen.
Post by Kluger, Gerd
soweit die Beerdigungskosten höher als der Nachlass sind [...]
Das traf im geschilderten Sachverhalt allerdings gerade nicht zu.
Kluger, Gerd
2019-04-24 15:40:25 UTC
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Post by Frank Kozuschnik
Post by Kluger, Gerd
Post by Frank Kozuschnik
Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Beerdigungskosten sind normalerweise nicht absetzbar ...
Post by Gerald Oppen
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden, wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
... weil sie aus der Erbmasse beglichen werden, gerade auch in dem von
Dir geschilderten Fall.
Sie sind schon absetzbar, allerdings nicht bei der Einkommensteuer,
sondern nur bei der Erbschaftsteuer (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
Sie sind zum Teil als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer abziebar
Wenn sie absetzbar sind, dann nicht als Sonderausgaben, sondern
allenfalls als außergewöhnliche Belastungen.
Sorry, natürlich als außergewöhnliche Belastungen, wobei man dann auch
noch die zumutbare Belastung berücksichtigen muss. Aber wie gesagt,
nur wenn sie den Nachlass übersteigen und dann nur auf den
Differenzbetrag ...

Grüße
Gerd
Martin Gerdes
2019-04-25 20:21:43 UTC
Permalink
Post by Frank Kozuschnik
Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Beerdigungskosten sind normalerweise nicht absetzbar ...
^^^^^^^^^^^^^

Ich habe hier mal ein entscheidendes Wort markiert.
Post by Frank Kozuschnik
Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden, wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
... weil sie aus der Erbmasse beglichen werden, gerade auch in dem von
Dir geschilderten Fall.
Sie sind schon absetzbar, allerdings nicht bei der Einkommensteuer,
sondern nur bei der Erbschaftsteuer (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
... die bei Ehegatten erst ohnehin nur bei recht hohen Vermögen
zuschlägt.

Man kann Haare bekanntlich nicht nur in zwei Teile spalten, sondern in
beliebig viele.

Wenn der Erblasser im Moment seines Todes 100.000 Flocken hat, zahlt man
die Beerdigung (z.B. 5000 Euro) davon, also bleiben als Erbe nur noch
95.000 übrig.

Ich halte es jetzt nicht für so fernliegend, daß nur die restlichen
95.000 bei der Erbschaftsteuer berücksichtigt werden und nicht die
ehemaligen 100.000.

Aber das war vom OP ja eigentlich nicht gefragt.
Gerald Oppen
2019-04-29 21:16:04 UTC
Permalink
Post by Martin Gerdes
Wenn der Erblasser im Moment seines Todes 100.000 Flocken hat, zahlt man
die Beerdigung (z.B. 5000 Euro) davon, also bleiben als Erbe nur noch
95.000 übrig.
Ich halte es jetzt nicht für so fernliegend, daß nur die restlichen
95.000 bei der Erbschaftsteuer berücksichtigt werden und nicht die
ehemaligen 100.000.
Eine Erbschaftssteuer kommt mangels entsprechender Erbmasse nicht in
Betracht. Habe ich das richtig verstanden dass es dann gar kein Sinn
macht Beerdigungskosten beim Finanzamt überhaupt anzugeben?

Gerald
Martin Gerdes
2019-04-30 23:54:33 UTC
Permalink
Post by Gerald Oppen
Post by Martin Gerdes
Wenn der Erblasser im Moment seines Todes 100.000 Flocken hat, zahlt man
die Beerdigung (z.B. 5000 Euro) davon, also bleiben als Erbe nur noch
95.000 übrig.
Ich halte es jetzt nicht für so fernliegend, daß nur die restlichen
95.000 bei der Erbschaftsteuer berücksichtigt werden und nicht die
ehemaligen 100.000.
Eine Erbschaftssteuer kommt mangels entsprechender Erbmasse nicht in
Betracht. Habe ich das richtig verstanden, dass es dann gar kein Sinn
macht Beerdigungskosten beim Finanzamt überhaupt anzugeben?
Die Beerdigung ist vordringlich aus der Erbmasse zu bezahlen (die
logischerweise dadurch gemindert wird).

Ein Steuerabzug für eine Beerdigung als "außergewöhnliche Belastung"
kommt erst dann in Betracht, wenn ein sittlich dazu Verpflichteter eine
Beerdigung bezahlt, aber nichts (oder nicht genug) erbt.

Gerald Oppen
2019-04-29 21:28:50 UTC
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Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Bei einem getrennt lebendem Rentner-Ehepaar ist Juni 2018 ein Partner
verstorben. In den Rentnerjahren zuvor war noch keine Steuererklärung
gefordert worden. Nun wird vom noch lebenden Partner für 2018 eine
Steuererklärung gefordert.
Wie ist das sinnvolle Vorgehen dazu?
Zum Steuerberater gehen, da davon auszugehen ist, daß der überlebende
Partner hinreichend wenig mit dem Vorgehen vertraut ist, als daß er das
allein hinbekommt.
Oder schaffst Du es, Dich für die Dir mutmaßlich nahestehende Person
einzulesen?
Sollte einfacher sein wie meine eigene die ich selbst mache - ich
versuche nur meineWissenslücken für diese Konstellation noch zu schließen.
Post by Martin Gerdes
Post by Gerald Oppen
Ist eine gemeinsame Erklärung möglich (getrennte Haushalte)/sinnvoll?
Wie verhält es sich mit der Absetzbarkeit der Beerdigungskosten etc?
Beerdigungskosten sind normalerweise nicht absetzbar ...
Post by Gerald Oppen
Können die Beerdigungskosten voll abgesetzt werden, wenn sie aus der
Erbmasse beglichen werden?
... weil sie aus der Erbmasse beglichen werden, gerade auch in dem von
Dir geschilderten Fall.
Eine offene Frage ist/war auch ob es unterschiedliche Abrechnungsmodelle
gibt wie "der Ehepartner übernimmt die kompletten Kosten und kann die
vollständig absetzen" oder "jeder Erbe kann entsprechend seines
Erbanteils etwas absetzen". Also letztlich ob es hierzu legale
"Steuertricks" gibt um nicht dem Vorwurf der nachteiligen Handhabung für
den einen oder anderen Erbe ausgesetzt zu sein.

Gerald
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