Discussion:
Mit oder ohne Umsatzsteuer
(zu alt für eine Antwort)
Ulrich Maier
2019-01-15 23:59:16 UTC
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Sicher ist sicher, deswegen die Frage:

Auftragnehmer (AN) sitzt in Deutschland, Auftraggeber (Kunde) in der
Schweiz.

Kunde zahlt nicht, AN beauftragt deutschen RA, der Anwaltsschreiben
schickt. Daruafhin zahlt der Kunde.

Seine Leistung stellt der RA dem AN in Rechnung, und der AN will die
Kosten an den Kunden weitergeben. Hat der AN diese Rechnung an den
Kunden mit oder ohne Umsatzsteuer zu schreiben? (Wo ist der Ort der
Leistung!?)

Danke für Tipps, Ulrich
Thomas Homilius
2019-01-16 20:09:06 UTC
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Post by Ulrich Maier
Auftragnehmer (AN) sitzt in Deutschland, Auftraggeber (Kunde) in der
Schweiz.
Kunde zahlt nicht, AN beauftragt deutschen RA, der Anwaltsschreiben
schickt. Daruafhin zahlt der Kunde.
Seine Leistung stellt der RA dem AN in Rechnung, und der AN will die
Kosten an den Kunden weitergeben. Hat der AN diese Rechnung an den
Kunden mit oder ohne Umsatzsteuer zu schreiben? (Wo ist der Ort der
Leistung!?)
Danke für Tipps, Ulrich
Die Kostenerstattung durch den Kunden an den Auftragnehmer wuerde ich
als nicht umsatzsteuerbare Schadenersatzzahlung ansehen.

Der Auftragnehmer zahlt die Umsatzsteuer an seinen Rechtsanwalt (RA).
Die Frage ist, ob er diese USt im Wege der Kostenerstattungspflicht den
Kunden in Rechnung stellen kann.

§ 104 Abs. 2 S. 3 ZPO
"Zur Berücksichtigung von Umsatzsteuerbeträgen genügt die Erklärung des
Antragstellers, dass er die Beträge nicht als Vorsteuer abziehen kann."

Das haengt also davon ab, ob der Auftragnehmer vorsteuerabzugsberechtigt
ist. Das ist er regelmaessig, wenn er umsatzsteuerpflichtige Lieferungen
und sonstige Leistungen ausfuehrt.
--
Thomas Homilius
E-Mail: ***@gmail.com | GPG-Key: 0xA5AD0637441E286F
http://pgp.mit.edu/pks/lookup?op=get&search=0xA5AD0637441E286F
Ulrich Maier
2019-01-16 23:06:36 UTC
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Post by Thomas Homilius
Post by Ulrich Maier
Auftragnehmer (AN) sitzt in Deutschland, Auftraggeber (Kunde) in der
Schweiz.
Kunde zahlt nicht, AN beauftragt deutschen RA, der Anwaltsschreiben
schickt. Daruafhin zahlt der Kunde.
Seine Leistung stellt der RA dem AN in Rechnung, und der AN will die
Kosten an den Kunden weitergeben. Hat der AN diese Rechnung an den
Kunden mit oder ohne Umsatzsteuer zu schreiben? (Wo ist der Ort der
Leistung!?)
Danke für Tipps, Ulrich
Die Kostenerstattung durch den Kunden an den Auftragnehmer wuerde ich
als nicht umsatzsteuerbare Schadenersatzzahlung ansehen.
Der Auftragnehmer zahlt die Umsatzsteuer an seinen Rechtsanwalt (RA).
Die Frage ist, ob er diese USt im Wege der Kostenerstattungspflicht den
Kunden in Rechnung stellen kann.
§ 104 Abs. 2 S. 3 ZPO
"Zur Berücksichtigung von Umsatzsteuerbeträgen genügt die Erklärung des
Antragstellers, dass er die Beträge nicht als Vorsteuer abziehen kann."
Das haengt also davon ab, ob der Auftragnehmer vorsteuerabzugsberechtigt
ist. Das ist er regelmaessig, wenn er umsatzsteuerpflichtige Lieferungen
und sonstige Leistungen ausfuehrt.
Danke, und ja, der AN ist natürlich vorsteuerabzugsberechtigt.

Wie ist es denn, wenn ein deutscher Auftraggeber für einen ausländischen
Berater die Hotelrechnung übernimmt:

1. Der ausländischen Berater zahlt seine Hotelrechnung selbst. Natürlich
inkl. USt. Diese bekommt er zu Hause nicht zurück.

2. Der deutsche Auftraggeber zahlt die Hotelrechnung für den
ausländischen Berater. Kann er die Hotel-USt als Vorsteuer abziehen?
Kann er die Hotelkosten dem ausländischen Arbeitgeber des ausländischen
Beraters ohne USt in Rechnung stellen? Kann das deutsche FA so leicht
ausgetrickst werden!?

(Ich habe in Erinnerung, dass uns einmal gesagt wurde, dass wir bei
Hotelkostenübernahme in diesem Fall das Risiko eingingen, die der
geltend gemachte Vorsteuerabzug nicht anerkannt werden könnte. (Aber
stimmt: Das ist hier etwas anderes. Den RA beauftragt und nutzt auf
jeden Fall der deutsche Unternehmer. Das Hotel wird dagegen von
ausländischen Berater genutzt.)

Ulrich
Thomas Homilius
2019-01-17 18:59:15 UTC
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Post by Ulrich Maier
1. Der ausländischen Berater zahlt seine Hotelrechnung selbst. Natürlich
inkl. USt. Diese bekommt er zu Hause nicht zurück.
Warum soll der auslaendische Unternehmer seine in DE bezahlte
Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer zurueckbekommen? Wenn er EU-Unternehmer
ist, dann muss er sogar "zu Hause" einen Antrag stellen!

"Vorsteuervergütung an ausländische Unternehmer durch das BZSt
Grundsätzlich können ausländische Unternehmer beim BZSt einen Antrag auf
Vorsteuervergütung stellen. Der Antrag ist form- und fristgebunden.
* Unternehmer aus EU-Mitgliedstaaten müssen einen elektronischen Antrag
stellen. Der Antrag ist über die zuständige Stelle im Ansässigkeitsstaat
einzureichen. Weitere Informationen erhalten Sie hier.
* Unternehmer aus Drittstaaten müssen einen elektronischen Antrag
stellen. Der Antrag ist über das Online-Portal (BOP) des
Bundeszentralamtes für Steuern (BZSt) einzureichen. Weitere
Informationen finden Sie hier."
<https://www.bzst.de/DE/Steuern_International/Vorsteuerverguetung/Vorsteuerverguetung_node.html>
--
Thomas Homilius
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Ulrich Maier
2019-01-18 00:37:50 UTC
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Post by Thomas Homilius
Post by Ulrich Maier
1. Der ausländischen Berater zahlt seine Hotelrechnung selbst. Natürlich
inkl. USt. Diese bekommt er zu Hause nicht zurück.
Warum soll der auslaendische Unternehmer seine in DE bezahlte
Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer zurueckbekommen?
Meine Information ist mögicherweise alt (aber nicht sehr alt, vielleicht
10 Jahre), ich habe sie nie mehr hinterfragt, auch weil nicht besonders
relevant für mich.

Ich dachte, dass ein Ausländer, der eine Leistung in Deutschland nutzt
und verbraucht (also ohne "Export") wie zum Beispiel Übernachtung,
Verpflegung, Sprit... diese Steuer in D bezahlen müsse und auch nicht
zurückbekäme.

Ist die Möglichkeit der Rückforderung vielleicht neu?

Wird dann im Ausland auf die Hotelnutzung Einfuhrumsatzsteuer erhoben!?
Oder bleibt die Leistung umsatzsteuerlich unversteuert? Oder wird der
Ort der Leistung bei der Übernachtung ins Heimatland verlegt?

Offenbar verstehe ich da grundsätzlich etwas falsch? Wenn es Dir nicht
zu viel mühe macht, wäre ich für eine kurze Erläuterung sehr dankbar.

Ulrich
Matthias Hanft
2019-01-18 09:28:47 UTC
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Post by Ulrich Maier
Ich dachte, dass ein Ausländer, der eine Leistung in Deutschland nutzt
und verbraucht (also ohne "Export") wie zum Beispiel Übernachtung,
Verpflegung, Sprit... diese Steuer in D bezahlen müsse und auch nicht
zurückbekäme.
Ist die Möglichkeit der Rückforderung vielleicht neu?
Ich kanns jetzt nur vom umgekehrten Fall sagen (also dass ich deutscher
Unternehmer bin und ausländische USt zurückkriege) - aber das ist EU-
weit sicher vollkompatibel in alle Richtungen. Das hab ich in der Ver-
gangenheit mit Frankreich und England gemacht. Früher (genauen Zeit-
punkt der Umstellung weiß ich jetzt nicht auswendig, ca. 5-10 Jahre)
musste man sich dazu von der ausländischen Steuerverwaltung (in Eng-
land z.B. "Her Majesty's Custom and Excise") komplizierte Formulare
schicken lassen, die ausfüllen, und zusammen mit der Rechnung dorthin
einschicken. Ein halbes Jahr später kam dann ein (natürlich aus-
ländischer) Scheck, dessen Einlösung nochmal 20 EUR oder so gekostet
hat...

Das hat sich inzwischen extrem - zum besseren - gewandelt. Inzwischen
muss man den Antrag zur Erstattung ausländischer USt in seinem jewei-
ligen Heimatland stellen - hierzulande auf der Website des BZST (und
gibt dabei gleich seine IBAN für die Erstattung an). Man kann sogar
die betreffenden Rechnungen dabei gleich hochladen. Gerade eben habe
ich mir die französische USt aus 2018 erstatten lassen. Antrag am 2.1.
auf der BZST-Website eingetippt; Überweisung vom französischen Finanzamt
war am 16.1. aufm Konto. So muss das! :-)

Bei mir waren das jetzt Internetkosten; ich hab mir aber auch schon
mal die USt von Domains und von Messestandkosten im Ausland erstatten
lassen. Es mag einige Ausnahmen geben, die nicht erstattbar sind, aber
die weiß ich jetzt nicht auswendig (evtl. Personenbeförderung innerhalb
des jeweiligen Landes oder so); da sollte es beim BZST aber die ent-
sprechenden Merkblätter auf der Website geben. Das gilt dann sicher
auch andersherum (also für ausländische Unternehmer in Deutschland).

Und: Es gibt eine Geringfügigkeitsgrenze. Unter 50-oder-so EUR pro
Jahr wird nix erstattet.

Gruß Matthias.
Ulrich Maier
2019-01-18 21:29:04 UTC
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Post by Matthias Hanft
Post by Ulrich Maier
Ich dachte, dass ein Ausländer, der eine Leistung in Deutschland nutzt
und verbraucht (also ohne "Export") wie zum Beispiel Übernachtung,
Verpflegung, Sprit... diese Steuer in D bezahlen müsse und auch nicht
zurückbekäme.
Ist die Möglichkeit der Rückforderung vielleicht neu?
Ich kanns jetzt nur vom umgekehrten Fall sagen (also dass ich deutscher
Unternehmer bin und ausländische USt zurückkriege) - aber das ist EU-
weit sicher vollkompatibel in alle Richtungen...
Können sich auch Nicht-EUler die (deutsche) USt erstatten lassen?

U.
Matthias Hanft
2019-01-19 08:41:27 UTC
Permalink
Post by Ulrich Maier
Können sich auch Nicht-EUler die (deutsche) USt erstatten lassen?
Im Prinzip ja. Hier steht allerlei erhellendes dazu:
https://www.bzst.de/DE/Steuern_International/Vorsteuerverguetung/03_Unternehmer_Drittstaaten/Unternehmer_Drittstaaten_node.html

Mindestbetrag ist in diesem Fall allerdings 500 EUR.

Gruß Matthias.
Ulrich Maier
2019-01-19 18:32:33 UTC
Permalink
Post by Matthias Hanft
Post by Ulrich Maier
Können sich auch Nicht-EUler die (deutsche) USt erstatten lassen?
https://www.bzst.de/DE/Steuern_International/Vorsteuerverguetung/03_Unternehmer_Drittstaaten/Unternehmer_Drittstaaten_node.html
Mindestbetrag ist in diesem Fall allerdings 500 EUR.
Gruß Matthias.
Vielen Dank, auch an Thomas, Ulrich
Thomas Homilius
2019-01-19 18:51:09 UTC
Permalink
Post by Ulrich Maier
Post by Matthias Hanft
Post by Ulrich Maier
Können sich auch Nicht-EUler die (deutsche) USt erstatten lassen?
https://www.bzst.de/DE/Steuern_International/Vorsteuerverguetung/03_Unternehmer_Drittstaaten/Unternehmer_Drittstaaten_node.html
Mindestbetrag ist in diesem Fall allerdings 500 EUR.
Gruß Matthias.
Vielen Dank, auch an Thomas, Ulrich
Bei Unternehmen aus Drittstaaten gibt es eine wichtige Ausnahme fuer die
Erstattung der Vorsteuer:
§ 18 Abs. 9 Satz 5 UStG:
"Von der Vergütung ausgeschlossen sind bei Unternehmern, die nicht im
Gemeinschaftsgebiet ansässig sind, die Vorsteuerbeträge, die auf den
Bezug von *Kraftstoffen* entfallen."

Bei Drittstaaten muss wahrscheinlich noch die
Gegenseitigkeitsvoraussetzung vorliegen:
<https://www.hk24.de/blob/hhihk24/produktmarken/beratung-service/recht_und_steuern/steuerrecht/downloads/1157536/35d395aec747ff976195d021a249b593/BMF-Schreiben_vom_17_10_2014_Vorsteuer-Verguetungsverfahren_-_G-data.pdf>

Bei Unternehmen aus der Schweiz und den USA gibt es diese
Gegenseitigkeitsvoraussetzung. Fuer Unternehmen aus der Tuerkei oder der
Ukraine ist die Gegenseitigkeit dagegen *nicht* gegeben.
--
Thomas Homilius
E-Mail: ***@gmail.com | GPG-Key: 0xA5AD0637441E286F
http://pgp.mit.edu/pks/lookup?op=get&search=0xA5AD0637441E286F
Ulrich Maier
2019-01-24 08:43:22 UTC
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Post by Thomas Homilius
Bei Unternehmen aus Drittstaaten gibt es eine wichtige Ausnahme fuer die
"Von der Vergütung ausgeschlossen sind bei Unternehmern, die nicht im
Gemeinschaftsgebiet ansässig sind, die Vorsteuerbeträge, die auf den
Bezug von *Kraftstoffen* entfallen."
Was da wohl dafür der Grund sein mag!?

Dabei kann man Kraftstoffe immerhin sogar potentiell ausführen, während
das bei einer Hotelübernachtung schwieriger sein dürfte!

Ulrich
Ulrich Maier
2019-01-24 08:45:47 UTC
Permalink
Post by Ulrich Maier
Post by Thomas Homilius
Bei Unternehmen aus Drittstaaten gibt es eine wichtige Ausnahme fuer die
"Von der Vergütung ausgeschlossen sind bei Unternehmern, die nicht im
Gemeinschaftsgebiet ansässig sind, die Vorsteuerbeträge, die auf den
Bezug von *Kraftstoffen* entfallen."
Was da wohl dafür der Grund sein mag!?
Dabei kann man Kraftstoffe immerhin sogar potentiell ausführen, während
das bei einer Hotelübernachtung schwieriger sein dürfte!
Ulrich
PS: Diese Gruppe ist eine der ganz wenigen noch gut funktionierenden
Gruppen!

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